Samstag, 21. Januar 2006

Grundsätzliches

Vor ein paar Tagen habe ich mir in der hiesigen Stadtbücherei interessehalber das Buch "Der Ursprung der Angst" des Schweizer Psychotherapeuten Franz Renggli ausgeliehen, das ich gerade lese, und wenn ich auch nicht in allem einverstanden bin, was er schreibt, bietet dieses Buch für mich ganz unerwartet einen möglichen Lösungsansatz für unser derzeitges Dilemma, und zwar weltweit. Dieser Ansatz hat aber ein so grundlegendes Umdenken zur Folge, dass ich da - zumindest im Augenblick - nicht sehr viel Hoffnung habe, dass das in absehbarer Zeit auf breiter Basis umgesetzt wird. So werden wir denn vermutlich noch eine ganze Weile mit dem allseitigen Reformgeplärre überhäuft werden.

Für Leute, die für neue Ansätze - gleich welcher Richtung - offen sind, kann ich dieses Buch dagegen wirklich empfehlen. Franz Renggli beschreibt darin seine persönlichen Erfahrungen als Therapeut von Säuglingen und deren Eltern, und er verbindet dies mit Einblicken in die sumerische und babylonische Götter- und Mythenwelt.1

Und wo ich da den oben erwähnten Lösungsansatz sehe? Aus gesunden Kindern ensteht vermutlich auch eine gesunde Gesellschaft. So würde das Übel sozusagen "radikal", aber nicht im Sinne von "alles kaputtschlagen", sondern im - wörtlichen - Sinn: "von der Wurzel her" mit der Zeit beseitigt. Utopisch? Natürlich, aber meiner Meinung nach sind Utopien wichtig, um uns einen Weg in eine bessere, menschlichere Zukunft zu weisen.
1 Die ich persönlich manchmal aber schon mit einem grossen Fragezeichen versehen möchte (bzw. die Interpretation von Franz Renggli). U.  a. befremdet es mich mehr als ein bischen, wenn - in einem Buch über Mythologie, wie gesagt, in dem der Autor (als These wenigstens) eine grundlegend neue Auslegung der Mythen vorschlägt - der Name C. G. Jung lediglich in zwei Literaturhinweisen, aber kein einziges Mal im Schlagwortregister auftaucht, obwohl gerade Jung grundlegende Erkenntnisse zum Themenkreis "Mythologie" veröffentlicht hat. Auch wenn Herr Renggli zu anderen Ergebnissen als Jung kommt, sollte er meiner Ansicht nach wenigstens deutlich machen, wo (und weshalb) er sich von Jung unterscheidet. So, wie das Buch verfasst ist, ist das in etwa so, als würde jemand eine grundlegend neue Auffassung vom Kontrapunkt veröffentlichen, dabei aber Johann Sebastian Bach lediglich ein oder zwei Fussnoten (oder nicht einmal das) widmen.

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