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An alle Leute, die sich (noch) einen Rest von kritischem Menschenverstand bewahrt haben: Wehrt euch gegen die Massenverblödung um euch herum. Ich finde die Zustände hierzulande langsam unerträglich und beängstigend - umso mehr, als die breite Masse das alles praktisch widerstandslos mitmacht. (Paranoid? Schön wär's!)

Montag, 26. Juni 2006

:: Virginia Woolf (Forts.) { Buchtip }

Weiter mit der Lektüre von Quentin Bells "Virginia Woolf: Eine Biografie". Nach nunmehr über zweihundert Seiten wird mir der Unterschied zwischen der Biografie von Jürgen Klein und der vorliegenden deutlich: Während Klein sozusagen „aus der Vogelperspektive“ beschreibt, merkt man, daß Quentin Bell ein Verwandter von Virginia Woolf ist und von daher die Ereignisse und Charaktere aus einer ganz anderen - „intimeren“, wenn man so will – Perspektive heraus schildern kann.

Was mir darüber hinaus klar wird ist, daß sich durch diese verschiedenen Perspektiven auch ein - teilweise wenigstens - unterschiedliches Bild ergibt. So sehe ich beispielsweise Leonard Woolf, Virginias (im Jahre 1910 noch zukünftigen) Ehemann, der mir durch Kleins Schilderung wirklich ausnehmend unsympathisch war, mittlerweile in einem völlig anderen Licht und bin in Anbetracht der für Virginia teilweise äußerst bedrückenden Umstände richtiggehend froh, als er 1910 - während eines Urlaubs von seinem Posten als Kolonialbeamter auf Ceylon - zum ersten Mal in Erscheinung tritt - und Virginia kurz vor seiner geplanten Abreise einen Heiratsantrag macht. (Leonard Woolf kehrte nicht mehr nach Ceylon zurück.)

Was mir darüber hinaus in der Biografie von Quentin Bell auch deutlich wird, ist die Art und Weise, wie – seit dem Tod von Virginias Vater, Leslie Stephen, und dem Auszug der Stephen-Schwestern in den damals nicht besonders renommierten Londoner Stadtteil Bloomsbury – im Freundes- und Bekanntenkreis der Stephens miteinander umgegangen wird: es kommt mir so vor, als würden Freunde und Bekannte wie Schachfiguren jeweils auf den passenden Platz geschoben und bei Bedarf einfach wieder abgeräumt. Dies scheint sich dann allerdings mit dem zweiten Umzug innerhalb Bloomsburys – zum Brunswick Square 38 - und dem Hinzustoßen des Kunstkritikers Roger Fry und des zukünftigen berühmten Ökonomen Maynard Keynes zu geben.

So würde ich zusammenfassend für Interessierte der von Quentin Bell verfaßten Biografie unbedingt den Vorzug geben.
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