Mittwoch, 28. Juni 2006

Noch einmal: Glenn Gould | Verschiedenes

Wenn ich an kreative, originelle Texte zum Thema "Musik" (oder an "Kreativität" überhaupt)1 denken muß, fällt mir unweigerlich der 1982 verstorbene kanadische Pianist Glenn Gould ein, der 1955 mit seiner bahnbrechenden Aufnahme von J. S. Bachs "Goldberg-Variantionen" auf einen Schlag weltbekannt wurde.

Nun tut man Glenn Gould Unrecht, wenn man ihn lediglich als "Pianisten" bezeichnet. Im Laufe seiner Karriere arbeitete Gould - neben seiner Tätigkeit als Pianist - als Dirigent, Komponist, Produzent (er produzierte für die kanadische CBC unter anderem eine Reihe innovativer Hörspiele wie "The Idea of North", in denen er die Stimmen der verschiedenen Sprecher kontrapunktisch einsetzte) - und eben als Autor.

Dabei ist es vielleicht angebracht, ein Wort über Glenn Goulds Stil im Allgemeinen anzumerken, bei dem sich Lockerheit auf der einen und unzweifelhafte Kompetenz auf der anderen Seite mit einer unnachahmlichen persönlichen, sozusagen 'Gouldschen' Note vereinen. Etwas, das sich Gould dabei nicht nehmen läßt ist, Kritikern seiner Aufnahmen selbst Vorschläge für griffige Formulierungen an die Hand zu geben, etwa:

Mr. Gould beglückt uns hier mit einer sowohl vom technischen als auch vom künstlerischen Standpunkt aus betrachtet absolut einmaligen Interpretation, die ... etc. etc.“ [positiv]

„Eine Interpretation, der es bei aller technischen Virtuosität noch etwas an Reife ... etc. etc." [negativ]

Frappierend ist auch die, zumal für einen sogenannten „klassischen“ Musiker, enorme Spannbreite seiner musikalischen Interessen, die etwa von Skriabin bis zu Petula Clark reichte (über die er auch einen Artikel verfaßt hat - zu finden in einem der Bände seiner von Tim Berens herausgegebenen Schriften).

Jedenfalls sind seine Artikel für jeden, der offen für Lockeres, Humorvolles, Unkonventionelles ist, ein absoluter Lesegenuß.

Dies und vieles mehr ist enthalten in der zweibändigen Gesamtausgabe seiner Texte (1. Band: "Von Bach bis Boulez"; 2. Band: "Vom Konzertsaal zum Tonstudio"), die von Tim Berens herausgegeben wurde. (Bei Amazon.de leider nicht mehr lieferbar; daher vermutlich im normalen Buchhandel vergriffen -> Abebooks). Darüber hinaus sehr empfehlenswert: "Telefongespräche mit Glenn Gould" von Jonathan Cott, u. a. mit Goulds Version der berühmten George Szell-Story.
1 Eine weitere Fundgrube zu diesem Thema sind z. B. die Beatles (aber bitte, bitte nicht die offizielle Biografie von Hunter Davies; statt dessen: "Complete Beatles Recording Sessions PB: The Official Story of the Abbey Road Years 1962-1970" von EMI-Archivar Mark Lewisohn, der sich die Mühe gemacht hat, sämtliche - immerhin 400 Stunden umfassenden - Master-Tapes der Beatles anzuhören). Als unschätzbare Quelle über ihre Hamburger Zeit empfehle ich das Buch "Mach Schau!" von Thomas Rehwagen und Thorsten Schmidt - ein dokumentarisches Juwel, u. a. mit einer Schallfolie, auf der George Harrison auf Deutsch zu hören ist.

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