Donnerstag, 1. August 2013

In der Stadt (4) | In der Stadt

Da heute, am Donnerstag, das Stuttgarter Wochenblatt erscheint, habe ich mich in den Bus gesetzt und bin in die Innenstadt gefahren. Zuerst war ich beim "Fielmann", weil ich neue Gläser für meine Lesebrille gebraucht habe (dachte ich zumindest). Zu meiner großen Überraschung hat mir die nette Augenoptikerin beim Fielmann eröffnet, dass sich meine Werte nicht verändert hätten und ich somit keinen neuen Gläser brauchen würde; ich solle dann eben beim Lesen immer mal wieder eine Pause machen.

So kaufte ich mir schräg gegenüber vom Fielmann auf der Königstraßen eine Crêpe mit Nutella und Banane und überlegte, was ich weiter tun könnte. Schließlich machte ich mich auf den Weg zum Wochenblatt, und als ich das aktuelle Ausgabe aufschlug, dachte ich mir: Das kenne ich doch irgendwo her. Wie ich feststellte, ist das Stuttgarter Wochenblatt vom Donnerstag identisch mit dem Filder-Wochenblatt, das ich am Mittwoch im Briefkasten habe. So habe ich jetzt gegenüber den anderen Interessenten, die eine Mietwohnung suchen, einen Vorteil von einem ganzen Tag.

Nachdem das Café Chamäleon heute relativ voll war (zumindest die Tische vom Stehcafé; da war so eine laute Seniorengruppe, und ich brauchte gerade einfach meine Ruhe), ging ich zurück zum an einem kleinen Platz mit einem Brunnen in der Mitte gelegenen Deli, wo ich einen Espresso bestellte. An sich trinke ich sonst immer normalen Kaffee, aber ich wollte mal etwas Neues ausprobieren. Anschließend überlegte ich kurz, ob ich in der Pizzeria gegenüber vom “Cortijo” eine Pizza essen sollte, aber die (männliche) Bedienung, die vor dem Ristorante an einem Tisch saß, war mir so unsympathisch, dass ich, einem Impuls folgend, ins vegetarische Restaurant “Iden” ging, wo ich mir am Buffet einen Vollkorn-Pfannkuchern und etwas Gemüse nahm (EUR 4,71). Das konnte ich mir aber nur leisten, weil mir ein guter Bekannter, den ich schon über dreißig Jahre kenne, etwas Geld gegeben hat. An sich muß ich auch und gerade jetzt, wo ich etwas mehr habe, aufpassen, dass ich in der ersten Euphorie nicht zuviel ausgebe. Es soll hier auch nicht der Eindruck entstehen, als würde ich quasi Geld ausgebend durch die Stadt ziehen und mir ein schönes Leben machen. Normalerweise habe ich pro Tag EUR 6,- zur Verfügung und muss sehen, wie ich damit zurecht komme.

Nachdem ich das “Iden” verlassen hatte, wollte ich in der Parfümerie des Kaufhauses “Breuninger” nach meinem Lieblingsparfum (“Louve” von Serge Lutens) schauen. Das konnte ich auf Anhieb leider nicht finden, dafür entdeckte ich aber “Royal Oud” von Creed, was ich mir natürlich nie leisten kann. Als ich mir den Namen aufschreiben wollte, gab mir eine nette Verkäuferin eine Probe mit.

Weiter ging es durch die Breuninger-Passage, vorbei an der Brasserie “Flo” und auf den Karlsplatz, an dem jeden Samstag der Flohmarkt stattfindet. Als ich dort stand und überlegte, wohin ich jetzt gehen sollte, schlug die Uhr im Turm der Stiftskirche gerade zwölf. Nach kurzem Überlegen wandte ich mich in Richtung Buchhandlung “Wittwer”, wo mir in der Abteilung “Erfahrungsberichte/Biografien” “Mein Glück” von Werner Spies auffiel. Als ich die erster Seite aufschlug, las ich als erstes eine wirklich wunderschön geschriebene Beschreibung eines goldenen Stifts, den der Autor wohl zum Notieren benutzt. Ob der ausnehmend schönen Sprache habe ich mir dann den Titel notiert und nehme mir vor, es mir mal in der neuen Stadtbücherei auszuleihen. Zuvor muß ich allerdings meine ausgesprochene Aversion gegen diesen sterilen Betonklotz überwinden. Ich begreife es bis heute nicht, wie die Stadt diesen - immerhin 80 Millionen teuren - würfelförmigen Bau hinstellen konnte, wo die alte Bücherei im Wilhelmsbau so eine schöne Atmosphäre hatte. Das ist eben eine dieser Entscheidungen, die über die Köpfe der Bürger hinweg getroffen werden.

In einer anderen Ecke vom “Wittwer” entdeckte ich tatsächlich ein “Knietablett” mit Zebramuster für EUR 36,90. Als ich mich nebenan in die mit rotem Leder überzogene Sitzecke setzte, konnte ich durch die Fensterfront auf das neben dem “Wittwer” gelegene Kunstmuseum schauen. Gerade kam eine der Bedienungen vom Café und setzte sich zu einem Mann, den sie offensichtlich kannte, auf die Steinstufen, die seitlich vom Kleinen Schloßplatz am Kunstmuseum hinunter auf den Schloßplatz führen. Da tauchte auf einmal ein Flaschensammler auf, der eine Art Karren hinter sich herzog. Er rief, ganz offensichtlich erregt, den beiden etwas zu und verschwand dann, seinen Karren hinter sich herziehend, wieder. Das ist eben auch eine Möglichkeit, heute anno 2013 in Stuttgart zu leben, auch wenn ich nicht mit diesem Mann tauschen möchte. So schlecht es mir finanziell auch zeitweise geht, so weit, Flaschen zu sammeln, war ich Gottseidank nie. Abgesehen davon finde ich das auch unhygienisch.

Zum Abschluß gönne ich mir, diesmal in der “Holanka"-Bar im “Wittwer", einen zweiten Espresso und denke bei mir, ich muß ja wohl verrückt sein. Auf der anderen Seite ist das Leben so kurz, und Selbstdisziplin hat doch auch ihre Grenzen. Und dann ist es ja nicht so, dass ich das jeden Tag mache. Obwohl: Das wäre doch das Leben: fotografieren, schreiben, hier und da einen Kaffee trinken, Bücher lesen, ab und zu mit jemandem ins Gespräch kommen ...

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