Ich hatte letzten Samstag versuchsweise einen Stand auf dem
Stuttgarter Flohmarkt auf dem
Karlsplatz (zwischen dem
Grand Café Planie und dem
Alten Schloß), aber für mich war das alles in allem eine solche Enttäuschung, daß ich ehrlich gesagt keine Lust habe, das noch einmal zu machen.
Dabei hatte ich vorher große Hoffnungen, daß mein zeitgemäßes (dachte ich wenigstens) Angebot auf breites Interesse stoßen würde (
nada!). Im Prinzip hatte ich verschiedene, vorwiegend gebrauchte
Hard- und Software auf meinem Stand (1m), nämlich:
- 1 x SuSE Linux Professional 7.3 (in OVP: 7 CDs, eine DVD, vier oder fünf Handbücher und eine sehr gut geschriebenes, anschaulich illustriertes Booklet zur Installation); VB EUR 10,-
- 2 CD-ROM-Laufwerke (6x bzw. 36x); EUR 3,- bzw. EUR 1,- (wg. Laufgeräusch)
- 1x RAM 64 MB (72-pin); EUR 1,-
- 1x McAfee VirusScan (Windows 95/98); EUR 5,-
- ca. 20 kostenlose CDs Ubuntu Linux (5.10 bzw. 6.06)
Wider Erwarten bestand von seiten der Besucher so gut wie kein Interesse (ca. vier, fünf potentielle Käufer innerhalb von fünf Stunden - "potentielle", wie gesagt: verkauft habe ich überhaupt nichts; lediglich ein jüngerer Mann hat sich eine von den
Ubuntu-CDs mitgenommen; geschätzter Wert – incl. Software aus den Online-Quellen -: mehrere hunderttausend (!) Euro
1).
Mein Fazit: Die Leute sind entweder a) dumm, b) verwöhnt oder c) beides. Dabei war dies wie gesagt ein Stand auf einem
Flohmarkt, wo es an sich klar sein sollte, daß die Sachen nicht immer absolut neu sind. Trotzdem fand ich die fehlende Resonanz doch einigermaßen erschütternd.
So habe ich unterm Strich draufgelegt:
- Stand: EUR 10,-
- 3 grosse Tassen Kaffee vom Imbißstand (nette Bedienung; der Kaffee ist auch ok!) à EUR 1,-
- Frühstück aus der schräg gegenüber gelegenen Markthalle2 (Brötchen mit Käse, eine Tomate und ein salziges Stückchen): ca. EUR 2,50
Analyse: Im Gegensatz zu der Zeit vor zwanzig Jahren, wo Computern noch ein Abenteuer war (
64k (!)
RAM) sind die Leute durch PCs mit geradezu inflationär ansteigenden Leistungsmerkmalen
3 meiner Ansicht nach absolut verwöhnt (im Internet habe ich dazu mal den bösen Begriff „Windau-Mausschubser“ gelesen).
Darüber hinaus habe ich den Eindruck, daß gerade viele
Windows-Benutzer alles am liebsten auf einem Silbertablett serviert bekämen (weshalb sich vermutlich auch viele davor scheuen, z. B. zu
Linux überzuwechseln
4; da müßte man sich ja – zumindest fürs Erste -
anstrengen). Was diese „Maus-verwöhnten“ Leute anscheinend nicht realisieren: mit einer der verschiedenen
Linux-/Unix-Shells (Textkonsole) geht eine ganze Reihe von Aufgaben wesentlich schneller, als sich per Maus durch zig Menüs und Untermenüs zu klicken. (Und - zum Thema "Scripting": Ich schaudere ehrlich gesagt bei dem Gedanken, komplexe Aufgaben per
MS-DOS-Batchdatei erledigen zu müssen – schon allein wegen dem - im Gegensatz zu einer
X-Shell – doch relativ begrenzten Befehlssatz. Nichtsdestotrotz gibt es auch für diesen – vermutlich längst im Land des Vergessens versunkenen – Bereich in der
„Hackerbibel: Teil 2"5 den sehr erfrischend geschriebenen Artikel
"Batch magic" von
John DeHaven.)
Ich sehe, daß ich mich zusehends von meinem ursprünglichen Thema entfernt habe, aber es war mir doch ein Bedürfnis, einmal etwas weiter auszuholen.
1 Incl. der
Quellen auf dem Server der
TU Dresden komme ich auf insgesamt
18.220 Pakete; ohne diese - nicht offiziellen - Quellen sind es immerhin noch
2.322 Pakete. In meiner Schätzung habe ich einfach für jedes Paket einen Durchschnittswert von
EUR 50,- angenommen.
2 Geheimtip.
3 Rein für
Textverarbeitung/Office ist ein PC mit einer Taktfrequenz von mehreren Gigahertz meiner Ansicht nach absoluter Overkill.
4 Ein wichtiger Grund ist natürlich auch der, daß
Windows auf praktisch jedem neuen
PC vorinstalliert ist. Dabei ist meiner Meinung nach ein vorinstalliertes und fertig konfiguriertes
Linux auch nicht schwieriger zu bedienen; die
Programminstallation ist bei Distributionen wie
Ubuntu im Normalfall
sogar einfacher, da ganz bequem über den Paketmanager
'Synaptic' installiert werden kann, der sich die Pakete online aus dem Internet holt (und sogar sämtliche erforderlichen Programmbibliotheken und sonstigen Abhängigkeiten berücksichtigt); ihr braucht also nicht einmal nach dem Download zu suchen. Das Einzige, was erforderlich ist, ist ein
ADSL-Zugang. Ich meine, geht es überhaupt noch einfacher?
5 1988 vom
Chaos Computer Club veröffentlicht (
"Teil 1" erschien
1985);
"Batch magic" findet ihr auf
S. 110 ff.